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    Alt 10.08.2016, 12:01   #21
    Meridian
     
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    Auch wenn die Japaner eine andere Denkweise haben, entlastet sie das nicht bezüglich ihrer Kriegsgräuel, besonders in China. Durch die Atombombe können sie sich in ihrer Opferrolle verstecken. Dass beim Bombardement von Tokio mindestens genauso viele Menschen wie bei den Atombombenabwürfen umkamen, gerät dennoch ins Hintertreffen, war es doch das "klassische" Bombardement mit Tausenden vom Bomben. Außerdem muss Tokio nicht mit radioaktiven Hinterlassenschaften kämpfen.

    Ich will die Atombombenabwürfe keineswegs rechtfertigen. Es scheint so, als ob die USA unbedingt wollten, obwohl von sowjetischer Seite schon signalisiert wurde, dass man Japan in die Zange nehmen würde. Aber der kalte Krieg hat da schon seine Schatten voraus geworfen.

    Fazit: Jedes Verbrechen steht für sich und kann durch kein anderes (egal ob noch schlimmer oder nicht) relativiert werden.
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    Alt 11.08.2016, 12:08   #22
    Meridian
     
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    Zitat:
    dies ist ein Totschlagargument. Du erwartest schlicht die Unterwerfung einer fremden Kultur und Gesellschaft unter europäische Normen. Die Japaner haben gefälligst Buße in Sack und Asche zu tun, damit unsere Vorstellung von Recht und Unrecht eine globale sei?
    Ich erwarte gar nichts. Wie Japan mit seiner Kriegsschuld umgeht, ist dessen Sache. Ist nur so, dass hat die wirtschaftlichen Beziehungen zu China und Südkorea sehr gut sind, die politischen aber schlecht. Ich weiß auch, dass Japan Angst vor dem Gesichtsverlust hat (ein sehr fernöstliches Merkmal), wenn es seine Kriegsgräuel zugibt. Das europäische Gegen-Extrem, die regelrechte Flucht der Deutschen in die Kriegsschuld, schreckt zusätzlich ab. Den Krieg in China bezeichnet JP nicht einmal als Krieg, sondern bis heute nur als Zwischenfall.

    Bislang kann JP gut leben mit schlechten politischen, aber guten wirtschaftlichen Beziehungen. Aber China wird immer mächtiger. Und aktuell steigen wegen ein paar Inseln (mit viel Erdöl darunter) die Spannungen zw. CN und JP und anderen Ländern (auch Vietnam und Philippinen). Ich befürchte, dass es irgendwann zu Krieg kommt, und auch deswegen, weil man sich politisch nie im Reinen war. Ist aber nur meine Beurteilung. Die USA könnten ungewollt hinein gezogen werden, weil es ja militärische Bündnisse mit Japan und Taiwan gibt. So würde sie indirekt auch die Vergangenheit (Schuld des A-Bombenabwurfes) einholen.
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    Alt 13.08.2016, 18:32   #23
    cyrano35
     
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    Zitat:
    Zitat von h.erectus Beitrag anzeigen
    Wenn die 'Langnasen' ihre Absichten und Gefühle vor sich hertragen, muss ein Chinese oder Japaner dies nicht unbedingt nachmachen, oder?
    Es sind aber nicht nur die "Langnasen" oder "Rundaugen", welche den japanischen Umgang mit eigenen Kriegsverbrechen und dem Angriffskrieg als solchen kritisieren. Insofern ziehen Verweise auf kulturelle Eigenheiten im asiatischen Raum im Allgemeinen und Japan im Besonderen nicht, zumal es in Japan den sprichwörtlich gewordenen Kotau gibt und somit einer Entschuldigung kulturell eigentlich nichts im Wege steht.

    Japanische Kinder werden vielmehr, auf politische Weisung hin, seit Ende des Zweiten Weltkriegs konsequent mit Schulbüchern und Unterricht in die historische Opferrolle hinein erzogen, ohne dass dahinter noch eine ökonomisch-politische Notwendigkeit wie Angst vor Reparationsforderungen stünde.

    Der unangenehme Nebeneffekt von Obamas Würdigung der Atombombenopfer ist, diese autosuggestive Opferrolle auch noch zu zementieren. Trotzdem war es wichtig, diese Würdigung vorzunehmen.
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    Alt 15.08.2016, 19:29   #24
    cyrano35
     
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    So interessant der Artikel auch sein mag, aber auch er leitet die Opferlamm-Mentalität vieler Japaner nicht aus kulturell gewachsenen Eigenheiten ab (welches das Land ja durchaus hat), sondern aus politischen und sozialen vor allem in Bezug auf die Elite. Allenfalls die Gläubigkeit der Masse an ebenjene Elite mag, kulturell bedingt, überdurchschnittlich ausgeprägt sein als im "Westen". Aber dazu muss man eben auch sagen, dass im Westen Deutschlands innerhalb zweier Jahrzehnte jene Gläubigkeit sehr stark abgenommen hat – in einem Land mit ehemals nicht minder extremem Obrigkeitsglauben.

    Dass es die Japaner zweifelsohne besser könnten, wie du schreibst, steht außer Frage. Aber offenbar befinden sie sich, obgleich sie die Dinge aufgrund ihres Wohlstands lockerer angehen konnten, noch immer im Modus extremer ökonomischer "Betriebsamkeit", welche nicht zuletzt von historischen Fragen abzulenken vermag.

    Und man muss natürlich auch sagen, dass sich die Alliierten nach Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich stärker um Deutschland (Ost wie West) gekümmert haben, nicht zuletzt durch Besatzungsarmeen sowie direkte und indirekte Eingriffe, als dies in Japan der Fall war. Was wiederum der geostrategischen Lage Deutschlands geschuldet war.
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