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    Alt 10.10.2015, 03:46   #1
    vortiessen
     
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    Standard Deutsch-indonesische Freundschaft

    Vor 50 Jahren, also Anfang Oktober 1965, begann in Indonesien die Terrorherrschaft von Suharto, einem späteren Freund des deutschen Bundeskanzlers Kohl.
    Vorrangiges Ziel bei der Annäherung an den Westen und seine Werte Demokratie und Freiheit, nachweislich von westlichen Regierungen toleriert, z.T. auch tatkräftig unterstützt, war die physische Vernichtung der damals weltweit drittgrößten kommunistischen Partei. Dabei wurden Hunderttausende Menschen ermordet, Zehntausende politische Gegner inhaftiert oder verbannt.
    http://www.ag-friedensforschung.de/r...n/15jahre.html

    Nur fünf Jahre nach Beginn der Massaker weilte Suharto als Gast der Bundesregierung auf dem Obersalzberg.
    http://www.jungewelt.de/2015/10-10/023.php

    Auch daß Indonesien 1975 die Demokratische Republik Osttimor überfiel, kurz darauf annektierte und in der Folgezeit dort etwa 183.000 Menschen, ein Drittel der Bevölkerung, niedermetzeln ließ, einen Völkermord unter Einsatz von Napalm, Streumunition, Folter und Vergewaltigung gegen die Papua betrieb, tat der deutsch-indonesischen Freundschaft offenbar keinen Abbruch.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Osttimor

    Waffenlieferungen (u.a. auch nahezu die gesamte Kriegsmarine der NVA) dorthin, Ausbildung von Militärs, geheimdienstliche Bande ... also die gesamte Palette an Unterstützung, die man im Streben nach Freiheit und Demokratie unter Vernachlässigung unbeschreiblicher Verbrechen eines "Partners" offenbar zu leisten bereit sein kann.
    http://www.heise.de/tp/artikel/38/38251/1.html

    Auch unter diesem Aspekt kaum erwähnter, dafür aber gut gepflegter deutscher Außenbeziehungen bis zum Ende der Suharto-Ära 1998 freut es mich, daß bei den aktuellen Diskussionen über "Diktatoren" oder "Demokratiegegner" wie z.B. Gaddafi, Assad oder Putin sowie über die - wenn auch ohne Genozid - vonstatten gegangene Besetzung der Krim heute ein Sinneswandel in der Politik der westlichen Welt und vor allem auch beim deutschen Bürger - z.B. in Internetforen - zu beobachten ist, der derartige Machenschaften auf's Schärfste verurteilt und Sanktionen gegen die "blutigen Diktatoren" oder gar deren Hinrichtung befürwortet.
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    Alt 21.11.2015, 01:44   #2
    vortiessen
     
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    Standard Henry Kissinger immer mit dabei

    Zitat:
    Zitat von vortiessen Beitrag anzeigen
    ... Auch daß Indonesien 1975 die Demokratische Republik Osttimor überfiel, kurz darauf annektierte und in der Folgezeit dort etwa 183.000 Menschen, ein Drittel der Bevölkerung, niedermetzeln ließ, einen Völkermord unter Einsatz von Napalm, Streumunition, Folter und Vergewaltigung gegen die Papua betrieb, tat der deutsch-indonesischen Freundschaft offenbar keinen Abbruch.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Osttimor ...
    Der Friedensnobelpreisträger H. Kissinger hat auch das gebilligt. Dabei ist die Liste der Verbrechen, die man ihm international zur Last legt, noch viel länger, und er würde selbst nach US-amerikanischen Maßstäben als Kriegsverbrecher behandelt werden müssen.

    Einen solchen Typen haben wir nun als Redner zum Tode von Helmut Schmidt!
    Die Geschichte kommt immer wieder zurück ins Heute. Bundesdeutsche und US-amerikanische Positionen zu den Verbrechen in Indonesien - und nicht nur da - standen einander nie im Wege.
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    Alt 23.11.2015, 18:10   #3
    red-pike
     
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    red-pike wird schon bald berühmt werdenred-pike wird schon bald berühmt werden
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    Zitat:
    Zitat von vortiessen Beitrag anzeigen
    Einen solchen Typen haben wir nun als Redner zum Tode von Helmut Schmidt!
    Die Geschichte kommt immer wieder zurück ins Heute. Bundesdeutsche und US-amerikanische Positionen zu den Verbrechen in Indonesien - und nicht nur da - standen einander nie im Wege.
    Ich hoffe, du hast heute bei den Meldungen zum Staatsakt für Helmut Schmidt genau zugehöt! Denn wir haben nicht Henry Kissinger als Redner zum Tode von Helmut Schmidt gewollt, sondern Helmut Schmidt wollte ihn als Redner!
    red-pike
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    Alt 24.11.2015, 20:01   #4
    vortiessen
     
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    Standard

    Zitat:
    Zitat von red-pike Beitrag anzeigen
    Ich hoffe, du hast heute bei den Meldungen zum Staatsakt für Helmut Schmidt genau zugehöt! Denn wir haben nicht Henry Kissinger als Redner zum Tode von Helmut Schmidt gewollt, sondern Helmut Schmidt wollte ihn als Redner!
    red-pike
    Schon klar, daß Schmidt mit seiner engen persönlichen Beziehung ihn haben wollte. Ist für mich aber nebensächlich, denn die Medienwirksamkeit des gesamten Aktes, der quasi ein Staatsakt ist mit all seinen Sicherheitsvorkehrungen, gibt nun genau diesem Kissinger ein Redeplattform und läßt ihn hoffähig erscheinen.

    Zu der für das Land viel wichtigeren Aufklärung von Spionagedelikten der USA kann D einen Snowden aber angeblich nicht hereinlassen und für seine Sicherheit sorgen. Die Wanted-Plakate mit Kissingers Konterfei kümmern uns dagegen nicht, wie es aussieht. Ist halt auch eine Form des Bekundens der eigenen Haltung, ähnlich wie ein üppiges 8-Mio-€-Barbecue für den guten Freund G.W. Bush.
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